B1 – Wie die Musikbranche funktioniert

Udo Dahmen ist ein Chef der Popakademie in der Stadt Mannheim – er verrät, was man dort alles lernen kann

In einem Proberaum der Popakademie Baden-Württemberg ist ein Student dabei, Keyboard zu spielen. In der Popakademie haben auch die Musiker Joris und Alice Merton einen Abschluss gemacht. Die Popakademie gibt es schon seit fast zwanzig Jahren.

Herr Dahmen, ich würde gerne Popstar werden. Bin ich da bei Ihnen an der Popakademie richtig?

Udo Dahmen: Sicherlich träumen viele davon, später einmal Popstar zu werden. Die Popakademie bildet aber keine Popstars aus, sondern in erster Linie Musikerinnen und Musiker. Und natürlich auch zukünftige Musikmanager.

Aber wenn man die Popakademie absolviert hat, kann es schon passieren, dass man auch Popstar wird, oder?

Ja, natürlich. Der Sänger Joris ist so ein Beispiel. Oder Alice Merton. Sowohl sie selbst als auch ihre Band haben an der Popakademie studiert.

Kann man das irgendwie erkennen, ob jemand später erfolgreich wird?

Das kann man nicht wirklich vorhersagen. Denn da gehören ganz verschiedene Dinge dazu. An der Popakademie treffen sich viele unterschiedliche Musiker. Die vernetzen sich miteinander, arbeiten zusammen, inspirieren sich gegenseitig. Manche Leute ­entwickeln sich dadurch wahnsinnig weiter – und machen dann sehr, sehr interessante Musik.

Was muss ich tun, um an der Popakademie studieren zu können?

Wir haben natürlich sehr viele Bewerber. Auf alle Studiengänge gibt es ungefähr 700 ­Bewerbungen im Jahr – und wir können aber nur 100 Plätze vergeben. Ganz am Anfang muss man unter anderem einen Fragebogen ausfüllen und drei Musikstücke einschicken. Dazu gehört auch ein Video, sodass wir sehen können, wie derjenige oder diejenige das live umsetzt und rüberkommt. Aus diesen Einsendungen wählen wir dann aus und laden die Bewerber zur Aufnahmeprüfung ein.

Wie läuft diese Aufnahmeprüfung ab?

Die Bewerber müssen zum Beispiel eine Prüfung in Musiktheorie absolvieren, einen Aufsatz schreiben und natürlich auch live vor einer Jury vorspielen. Das alles dauert mehrere Tage. Anschließend suchen wir uns die Leute aus, von denen wir glauben, dass sie das größte Potenzial haben. Alle Leute, die an der Popakademie aufgenommen werden, sind dermaßen talentiert, dass aus ihnen später tatsächlich ein Popstar werden könnte.

Warum braucht man denn überhaupt so etwas wie eine Popakademie?

In der Popmusik geht es vor allem darum, Songs zu komponieren und zu produzieren. Es geht darum, wie man Texte schreibt, ­Arrangements macht und wie man die Songs produziert. Das alles muss man lernen. Und man muss wissen, wie die Musikbranche funktioniert. Zu einem gestandenen ­Künstler gehört dazu, dass er weiß, worauf er sich einlässt. Und natürlich müssen die Leute von ihrer Musik auch leben können. Das ist uns ganz wichtig.

Das Gespräch führte Stefanie Paul.

ZUR SACHE

Erst Student, jetzt Popstar

Zu den bekanntesten Absolventen der Popakademie gehört derzeit Joris. Er singt auf Deutsch. Vielleicht kennst du seinen Hit, der im Radio rauf und runter lief: Das Lied heißt „Herz über Kopf“. Fast noch erfolgreicher ist aber Alice Merton. Sie war ebenfalls auf der Popakademie. Ihre Songs laufen nicht nur in Deutschland, sondern in auch in anderen Ländern der Welt. Ihr größter Hit heißt „No Roots“. Das bedeutet übersetzt so viel wie: Keine ­Wurzeln. Das Lied war auch im Land USA ein Erfolg. An der Popakademie in Mannheim wird logischerweise jede Menge Musik gemacht. „Wir haben ungefähr 50 Bands im Haus. Und bis zu 30 ­Studio-Teams“, erklärt Udo Dahmen, einer der Chefs an der Popakademie. In den Studios ­können die Studierenden zum Beispiel ihre selbst komponierten Songs aufnehmen und sich ­ausprobieren. Daneben gibt es an der ­Popakademie aber auch Unterricht wie an einer ­r­ichtigen Schule. Zum Beispiel müssen die Studierenden Kurse zu den Themen ­Musik-Geschichte oder Musik-Theorie belegen.

ZUR PERSON

Udo Dahmen (70)

ist seit dem Jahr 2003 einer der Chefs der Popakademie und außerdem Vizepräsident des Deutschen Musikrates. Dahmen ist in Aachen geboren und hat früher klassisches Schlagzeug studiert.

Weser Kurier 28.01.22

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